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Verbotene Musik in der Sowjetunion – welche Songs & Genres waren verboten?

Verbotene Musik in der Sowjetunion

Nicht ist immer alles erlaubt. Aber es gibt Unterschiede, was verboten ist und was nicht. Es gibt Lieder, die sind in der Bundesrepublik und auch anderen demokratischen Ländern verboten. Und es gibt Musik, die in diktatorischen und autokratischen Staaten verboten ist. Die Gründe sind aber unterschiedlich. So auch in der Sowjetunion.

Was die Sowjetunion war

Die Sowjetunion bedeckte fast ein Sechstel der Erde und war im Westen stets gefürchtet und verhasst. Die Menschen in den demokratischen und westlichen Ländern sahen in diesem Land das „Reich des Bösen“. Tatsächlich war die Sowjetunion im Laufe ihrer langen Geschichte niemals frei oder gar ein demokratischer oder rechtsstaatlicher Staat. Viele verschiedene Völker wurden in eine „Union“ gezwungen, die von der russischen Seite aus Moskau aus regiert und beherrscht wurden.

Die dominierende Ideologie der Sowjetunion war der dialektische Materialismus, den man gemeinhin als Marxismus oder Kommunismus bezeichnete. Dieser Ideologie hat man zu folgen, sie auszubauen und alles hat sich dem unterzuordnen.

Musik, die aneckt

Vom ersten Tag der Sowjetunion wurden Musikstücke und Musiker (und auch andere Künstler und Meinungsmacher) die als „konterrevolutionär“ oder als „Bourgeois“ galten, verfolgt, verhaftet, gefoltert, verboten, umgebracht. Das zog sich immer wieder durch die Geschichte. In den wirren Anfangsjahren war das blutig und schnell und radikal und erlebte unter Stalin noch mal einen blutigen Höhepunkt.

Wer aneckte, hatte in jeder Diktatur immer Probleme und musste sich Verfolgungen ausgesetzt sehen. Musik hatte immer die Aufgabe, anzuecken, Dinge aufzuzeigen, sich über Dinge lustig zu machen und zu überspitzen. In einem Land, wo die absolute Wahrheit vermeintlich schon gefunden wurde und man danach zu leben hatte, hielt man Kritik nicht nur nicht mehr für nötig, sondern gar für gefährlich und als Anmaßung.

Verbote, Zensur und verordnete Musik

Nach Stalins Tod wurde die Sowjetunion etwas freier, wenn man es überhaupt so bezeichnen konnte. Musiker wurden nicht mehr unbedingt umgebracht, aber jedes Lied, was hatte erscheinen wollen, musste von der Zensur genehmigt werden. Das allein schon sorgte dafür, dass die Kreativität und das künstlerische Schaffen komplett erlahmte und verkümmerte. Kritik musste vom Staat genehmigt werden. Und es gab Kritik in den Liedern, um ein Ventil öffnen zu können. Aber stets hatte es nach Genehmigung und unter Verordnungen zu erfolgen.

Der gefährliche Westen

Musik wurde im Laufe des 20. Jahrhundertes ein Massenmedium und ließ sich immer schwerer und schwerer fernhalten. Schallplatten und Kassetten konnte immer mehr und immer hochwertiger produziert werden, Diskotheken wurden eröffnet. Die Herrschenden konnten sich dem nicht ewig entziehen, haben es aber versucht und noch immer gab es Lieder und Künstler aus dem sogenannten Westen, die als eine Gefahr betrachtet wurden.

Beispiele hierfür waren: Sex Pistols wegen „Gewaltverherrlichung durch Punk“ oder Kiss wegen des Vorwurfs des „Neofaschismus“.

Besonders Punk, Pop, Rock wurden als Gefahr betrachtet, aber auch Jazz und anderes, was sich gegen Unterdrückung wendete, konnte einem Verbot unterliegen.

Die Ideologie gibt den Weg vor

Was passt und was nicht, gibt allein die ideologische Leitlinie vor und das ist so willkürlich, wie es sich anhört, denn theoretisch kann alles als Gefahr oder Bedrohung bezeichnet werden, wenn die Begriffe und Begründungen nur schwammig genug waren. Eine ideologische Gefahr war alles, was letztlich Kritik war, was aufrührerisch sein könnte, was eigentlich das hätte sein können, was Marx und Engels in ihrer revolutionären und unangepassten Haltung hätten sein können.

Kulturell niemals anziehend

Damit hatte die Sowjetunion ein Problem, was jede Diktatur und Autokratie bis heute plagt. Kulturell erblüht nie etwas. Keine Filme, keine Musik, keine sonstige Kunst, die nicht irgendwie, irgendwo eine Propagandashow ist. Das irgendwie etwas zu bejubeln hat. Und selbst, wenn es nicht klar vorgegeben oder befohlen ist, so hat ein Künstler in solchen Ländern stets den inneren Zensor im Kopf, wenn man befürchten muss, direkt zu verschwinden, wenn man versehentlich den großen Führer oder die Partei oder sonst wen beleidigt hat oder nicht genug gewürdigt. Wie hätte da etwas entstehen können, was freiheitlich ist? Was gewagt ist und aneckt? Die Sowjetunion galt nie als sexy, niemals wollte man diesen Lebensstil haben, niemals hatte man sowjetische oder russische Sänger oder Musiker als Vorbilder oder Poster von ihnen. Niemals versprühten sie kreativen Geist oder Humor, weil sie einer Ideologie und einer Partei zu folgen hatten.

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